EMPATHISCHE, FÜRSORGLICHE ORGANISATIONEN sind emotional und sozial reif. Menschenzentriert schaffen sie einen gesunden, sicheren Raum (mental wie physisch), in dem Menschen voll teilnehmen können. Sie heißen Emotionen willkommen und zeigen Empathie, Mitgefühl und Solidarität.
Die Covid-Krise im Frühjahr zwang viele von uns, hastig neu zu erfinden, wie wir Geschäfte machen. Im Juni sprachen wir gemeinsam mit Sekaten mit 160 Geschäftsleuten aus aller Welt, um besser zu verstehen, was sie aus der Krise gelernt hatten, wie zuversichtlich sie waren, weiter lernen und sich anpassen zu können, und welche Erkenntnisse sie über die nötigen Veränderungen in der Art, wie wir Geschäfte machen, gewonnen hatten.
Aus diesem Dialog ergaben sich sechs systemische Themen, die wir unter dem Akronym „HEROIC“ zusammengefasst haben, also „Human, Empathetic, Role Model, Open, Innovation and Courage“ (Menschlich, Empathisch, Vorbildlich, Offen, Innovativ und Mutig). Heute geht es um das zweite Thema – Empathisch.

In meinem vorigen Blogbeitrag habe ich beschrieben, wie die Herausforderungen des Wirtschaftens in der Covid-Ära viele von uns dazu gezwungen haben, unsere eigene Menschlichkeit und Verletzlichkeit sowie die der anderen anzuerkennen. In gewisser Weise hatte das einen Kaskadeneffekt darauf, wie wir miteinander umgehen, und hat die Empathie, die wir einander entgegenbringen, deutlich gesteigert. Und das ist eine gute Sache.
Um Carl Rogers zu zitieren – „ein hohes Maß an Empathie … ist möglicherweise der stärkste und mit Sicherheit einer der stärksten Faktoren, um Veränderung und Lernen zu bewirken.“* Die 160 Menschen, mit denen wir gesprochen haben, schienen dieser Sichtweise zuzustimmen. Viele möchten, dass das gesteigerte Zuhören und Vertrauen – die Empathie, die wir einander gezeigt haben – auch in Zukunft anhält. Die wichtigsten Themen, die zutage traten, waren:
- Einen sicheren Raum schaffen Transparente und vertrauensbasierte Ökosysteme – fürsorgliche Organisationen wissen, was physische und psychologische Sicherheit bedeutet.

- Dialoge schaffen und zuhören Fürsorgliche Organisationen hören auf Beiträge aus der gesamten Organisation und erlauben freie Meinungsäußerung. Sie fördern kreative Dialoge, die Ideen hervorbringen, welche zu gemeinsamen kreativen Aktionen werden können. Fürsorgliche Organisationen dienen einer Gemeinschaft von Menschen und fragen sie, was sie brauchen.

- Mitgefühl zeigen Fürsorge bedeutet, einander Geduld, Mitgefühl und Empathie entgegenzubringen. Fürsorgliche Organisationen behandeln Menschen mit Freundlichkeit und Großzügigkeit und fördern Wohlbefinden und Solidarität unter allen Beteiligten.

- Emotionale und soziale Reife entwickeln Fürsorgliche Organisationen fühlen sich mit Emotionen völlig wohl. Sie schaffen ein sozial reifes Umfeld mit hoher emotionaler Intelligenz, in dem Denken, Fühlen und Handeln im Berufsalltag frei ineinanderfließen.


Die Covid-Krise hat uns gezwungen, uns auf neue Weise aufeinander zu verlassen und neue Wege der Teamarbeit zu finden. Diese Erkenntnisse zeigen, dass die Freundlichkeit, Empathie und das Verständnis, die wir einander in dieser bemerkenswerten Zeit entgegengebracht haben, etwas ist, das die Menschen auch künftig bewahren möchten.
In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich das dritte Thema der HEROIC-Organisationen behandeln – Vorbild sein.
* Rogers, C. (1975). Empathic: An unappreciated way of being. The Counseling psychologist, 5(2), 2-10.
